Das Mariinsky-Ballett im Festspielhaus Baden-Baden

Magazin Ausgabe: November/Dezember/Januar 2013/2014

Wenn die längste Nacht bevorsteht, wenn draußen der Frost beißt und die Menschen dick eingepackt sind, dann kommt das Mariinsky - Ballett aus St. Petersburg ins Festspielhaus Baden-Baden. Seit nunmehr 15 Jahren gastiert die russische Ballettcompagnie an der Oos.

„Das Publikum hier liebt den ‚Schwanensee‘.“, erläutert Yuri Fateyev, Ballettdirektor am Mariinsky-Theater St.Petersburg. „Neben diesem bringen wir mit ‚Dornröschen‘ ein weiteres bezauberndes Ballett von Tschaikowsky ins Festspielhaus. Und wir haben am 26. Dezember zwei besondere Gala-Veranstaltungen im Programm: Eine Gala veranstalten wir am Nachmittag, speziell für Familien. Diese wird nicht so lang sein, dafür aber lustige Ausschnitte aus unserem Ballettrepertoire zeigen, sodass die Kinder ihre Freude daran haben, aber auch die Eltern oder Großeltern. Und am Abend haben wir dann unsere große Ballett-Gala mit klassischen und modernen Choreographien. Ich denke, das wird ein Fest!“ Die Familienvorstellung am Nachmittag ist eine der Neuerungen in der aktuellen Saison. Denn auch die erfolgsverwöhnte Truppe des Mariinsky-Theaters weiß, dass das Ballett heute aktiv Anlässe schaffen muss, um Kinder und Jugendliche mit dieser Kunstform in Berührung zu bringen. „Wir sind kein Museum. Wir sind ein Theaterballett!“, so Yuri Fateyev und denkt dabei nicht nur an sein Publikum, sondern auch an seine Compagnie: „Das Ballett ist einfach eine Kunstform für junge und jung gebliebene Menschen.

Tänzer im Ballett haben wenig Zeit für ihre Karriere, in der Regel 20 Jahre: Zwischen ihrem 18. und 38., vielleicht 40. Lebensjahr können sie die Leistung bringen, welche Ballett auf höchstem Niveau verlangt, so die Regel. Deswegen brauchen wir jede Saison ‚frisches Blut‘ in der Compagnie, um unser Niveau zu halten.“ Dieses Niveau zu halten, das ist der Anspruch des Mariinsky-Balletts. Die Geschichte der traditionsreichen Truppe aus St. Petersburg hat 1740 begonnen. Das „Imperial-Ballett“ wurde im 19. Jahrhundert dann zur Heimat der großen Handlungsballette aus der Feder Peter Tschaikowskys.
An der Newa entstanden die maßgeblichen Choreografien und Inszenierungen von „Schwanensee“, „Nussknacker“ und „Dornröschen“, die heute fast unverändert im Repertoire des Mariinsky-Balletts sind und weltweit nachgeahmt werden. Auch unter der sowjetischen Herrschaft war das Ballett erfolgreich. Unter dem Namen „Kirov“-Ballett erlangten sie Weltruhm. Das diesjährige Programm nimmt zwei Märchen in den Fokus: Tschaikowskys Handlungsballette „Schwanensee“ und „Dornröschen“. In beiden Werken spielen Königskinder und böse, übernatürliche Kräfte die Hauptrolle. Während im 1877 uraufgeführten „Schwanensee“ die Liebe zwischen Prinz Siegfried und der Schwanenkönigin vom bösen Zauberer Rotbart bedroht wird, ist es in „Dornröschen“ die böse Fee Carabosse, welche die schöne Prinzessin Aurora in ihren hundertjährigen Schlaf schickt. Doch sowohl der „Schwanensee“ als auch das 1890 zur Uraufführung gelangte „Dornröschen“-Ballett gehen gut aus – ein Divertissement am Schluss, darauf konnte und wollte damals niemand verzichten, auch Tschaikowsky nicht. So freut sich Yuri Fateyev auf den Dezember in Baden-Baden: „Ich denke und hoffe, dass wir nach wie vor klassisches Ballett in seiner besten Form präsentieren.“ Die besten Voraussetzungen dafür sieht er gegeben: „Alle Tänzer, die am Mariinsky-Theater anfangen, sind sehr ehrgeizig. Sie alle schauen sich selbst kritisch im Spiegel an und versuchen, ein Maximum an Leistung für das Ballett zu erbringen. Natürlich träumt jeder auch davon, eine Solopartie zu bekommen, aber für alle liegt der Anfang wie bei jeder Truppe im ‚corps de ballet‘.
Speziell im Mariinsky-Theater ist das die beste Schule, um technisch und konditionell in Hochform zu bleiben und um die Anmutung und historische Aufführungspraxis hier kennenzulernen.“ Doch obwohl die Ballettcompagnie des Mariinsky-Theaters größten Wert auf ihre Tradition auch in Abgrenzung zu anderen russischen Ensembles legt – das Geheimnis, so Fateyev, liegt darin, den Wandel der Zeit nicht auszublenden.

21.12. – 27.12.2013
Ort: Festspielhaus Baden-Baden
Weitere Informationen unter: www.festspielhaus.de